Der fürstliche Wohnturm zu Siedlęcin (Boberröhrsdorf), Polen

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henrykjaworski

Der Wohnturm zu Siedlęcin (Boberröhrsdorf) ist eines der größten (22,2 x 14,35 m) und prachtvollsten Bauwerke dieser Art in Mitteleuropa. Die meisten Forscher datieren seine Erbauung auf den Jahren 1313-1314 und bringen sie mit der Bauherrentätigkeit des Fürsten Heinrich I. von Jauer zusammen. Die Fürstin Agnes von Habsburg, die Witwe des Fürsten Bolko II. von Schweidnitz, verkaufte das Gut Boberröhrsdorf im Jahr 1368 oder 1369 an den Ritter Jenchin von Redern. Die Familie von Redern herrschte in Boberröhrsdorf bis zum Ende des 15. Jh.

Im 16. Jh. (nach 1575) wurde der Turm um ein Geschoss erhöht und dabei sind die mittelalterlichen Schießscharten vermauert worden. Ein weiterer Umbau fand im 18. Jh. statt. An der Südwand wurde ein Hinterhaus angebaut, wobei der Wassergraben zum Teil zugeschüttet wurde. Gegen Ende des 19. Jh. wurden die ersten Restaurierungsarbeiten und eine Überholung des Dachverbandes und des Daches vorgenommen.

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Die mittelalterliche Farbfassung des großen Saals wurde 1880 entdeckt und 1936 von allen deckenden Schichten befreit. Dann wurden diese erneuert und leider stellenweise dilettantisch übermalt.

Die Malereien im zweiten Stockwerk erstrecken sich auf einer Gesamtflache von 33 qm. Die verwendete Technik besteht darin, dass der trockene Putz mit den in Kalkwasser angerührten Farbstoffen bedeckt wurde (al secco).

Fürst Heinrich I. von Jauer (der Sohn des Fürsten Bolko I. von Schweidnitz) hat sicherlich das Bildprogramm der Wandmalereien inspiriert und finanziert. Die Malereien dürften im Zeitraum 1345-1346 entstanden sein.

Der Autor der Gemälde in Boberröhrsdorf stammte aus dem Gebiet der heutigen Nordschweiz.

Aus unerklärlichen Gründen hatte man die Dekorarbeiten im Turm unterbrochen, wiewohl noch im selben 14. Jh. Versuche unternommen wurden, die Arbeiten fortzuführen, die jedoch von einem anderen Maler geschaffen wurden. Seine Zeichnungen sind auch nicht fertig geworden.

2_malowidlaDie Wandgemälde sind auch hinsichtlich ihres weltlichen Inhalts einzigartig, denn sie stellen Szenen aus dem damaligen Hof- und Ritterleben dar. Sie sind die einzige mittelalterlichen Malereien in Europa, die Geschichte eines der Ritter der Tafelrunde – Herrn Lancelot vom See – zeigen.

Die Darstellungen haben auch eine moralisierende Meinung. Der Hl. Christophorus ist der Schutzherr aller Ritter und ein Muster der standhaften Treue gegenüber seinem Herrn – Christus, also das Muster eines guten Christen und Vasallen. Man sollte somit nicht vergessen, dass Lancelot , durch seine sündhafte Liebe zu Guenever, untreu gegen Artus war.

Interessant ist auch die Szene mit den Toten in ihren Gräbern und den darüber platzierten Paaren – einem Ritter und einer Jungfrau einerseits und einem Ritter und einer Verheirateten andererseits. Die Boberröhrsdorfer Malereien waren früher, wegen inhaltlich fehlerhafter Übermalungen, als Epos von Ritter Ivein und die Geschichte der Stiftung des Zisterzienklosters in Grüssau falsch interpretiert.

 

Der Wohnturm zu Siedlęcin (Boberröhrsdorf) ist jeden Tag geöffnet.

Hochsaison (Mai – Oktober): 9:00 – 18:00
Nebensaison (November – April): 10:00 – 16:00

Virtuelle Besichtigung:

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In 2010 wurde der Verein „Der fürstliche Wohnturm zu Siedlęcin“ gegründet.

Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie uns bitte: p.nocun@wiezasiedlecin.pl